SOFA Gespräche
Was muss ich wissen für die Schicht "Gespräche führen"?Diese Infos reichen!Ziel 1: Menschen in SOFA einbinden (mitgestalten, in Austausch gehen mit anderen)Ziel 2: Menschen vernetzen sich und werden selbst in einer Gruppe aktiv
Am Anfang Sprachen checken: Google translate App (vorher installieren) / Mehrsprachige Menschen dazuholen
Gehe mit einem festen Satz ins Gespräch
“Hey, welche Sprache sprichst du am liebsten?”
“Hast du schon von SOFA gehört?”
“Wie geht es dir mit der Wahl?”
Lass dich auf dein Gegenüber ein. Knüpfe an deren Perspektive/Situation an.
Mehr zuhören als reden!
Falls es passt, schlage der Person Gruppen vor, die sich mit ihrem Anliegen beschäftigen.
Am Marktplatz und am Hbf => zu SOFA einladen
Bei SOFA => Menschen begleiten:
Am Willkommenstisch: Bastel dir ein Namensschild, schreib deine Superpower dazu und welche Sprachen du sprichst!
Suche-Finde-Wand
Ort für alle Fragen: Was beschäftigt mich?
Austausch-Ecke: Wie geht es mir?
Austausch-Ecke: Was können wir jetzt tun?
Gruppen-Wand: An welche Gruppen kann ich Anschluss finden?
ALLE sollen den Ort aktiv mitgestalten, sich Gedanken machen, mit anderen
austauschen, vernetzen und sich organisieren!Hiermit weißt du bereits alles, was du für die Gesprächs-Schicht benötigst.Wenn du dir mehr Inspiration für Ablauf und Inhalte von Gesprächen wünschst, schau in den ausführlicheren Gesprächsleitfaden!Aber das wichtigste:Einfach ausprobieren – du hast nichts zu verlieren! Vertrau auf dein Bauchgefühl <3
English
What do I need to know for the ‘Holding Conversations’ shift?This information is all you need!Objective 1: Involve people in SOFA (encourage them to help shape SOFA, engage in dialogue with others)Objective 2: Help people connect with one another and become actively involved in a group
Check languages at the start: Google Translate app (install beforehand) / Invite multilingual people to join
Start the conversation with a set phrase
“Hey, which language do you prefer to speak?”
“Have you heard of SOFA yet?”
“How are you feeling about the election?”
Engage with the person you’re talking to. Relate to their perspective or situation.
Listen more than you speak!
If it feels right, suggest groups to the person that deal with their concerns.
At Marktplatz and the main station => invite people to SOFA
At SOFA => support people:
At the welcome table: Make yourself a name badge, write down your superpower and which languages you speak!
Seek-and-Find Wall
Place for questions: What’s on my mind?
Discussion Corner: How am I feeling?
Discussion Corner: What can we do now?
Groups Wall: Which groups can I join?
EVERYONE should actively help shape the space, reflect, exchange ideas with others, network and get organised!Now you now know everything you need for your shift.If you’d like more inspiration for the structure and content of the
discussions, have a look at the detailed conversation guide!But the most important thing:Just give it a go – you’ve got nothing to lose! Trust your gut <3
Gesprächsleitfaden
Dieser Leitfaden dient als Hilfestellung & Inspiration, du darfst die Gespräche natürlich so führen, wie du willst!Hast du Fragen, Anmerkungen oder Ergänzungen? Sag uns Bescheid!
Gesprächsleitfaden
Generelle Infos
Was ist Organizing und warum jetzt?
Organizing heißt, Strukturen, Gruppen oder Netzwerke aufzubauen, die Menschen befähigen, gemeinsam für ihre Interessen und politische oder soziale Veränderungen einzutreten. Wir denken, die Wahl ist ein guter Moment, um Ohnmachts- und Frustgefühle bei Menschen zu besprechen und intrisische Motivation zu stärken, politischen Gruppen beizutreten. Dazu ist es aus unserer Sicht extrem wichtig Menschen vor allem zuzuhören, sie durch geschickte Rückfragen zu aktivieren und nicht zu versuchen Ihnen eine Meinung überzustülpen. Falschen Behauptungen und Beleidigenden Inhalten sollte man entschieden widersprechen, ohne dabei belehrend oder eskalierend zu wirken.
Was sind die Ziele der Gespräche bei Sofa?
Emotionen zur Wahl auffangen und Raum für Gesprächsbedarf geben
Menschen in (politische) Gruppen bringen! Quasi Matchmaking für Aktivismus ;))
v.a. Menschen, die linksorientiert, aber noch nicht aktiv sind
möglichst konkretes Ergebnis: Kontakt weitergegeben, konkreter Plenumstermin, nächste offene Treffen etc.
verschiedene Berufsgruppen erreichen und aufklären, wie man auch bei einer rechten Regierung widerständig sein kann
Was ist der Gesprächsrahmen?
1:1-Gespräche mit Menschen an der Haltestelle, auf der Straße, Plätzen (Steintor, Marktplatz, Bahnhofsvorplatz)
Bei Unsicherheit können die Gespräche auch zu zweit geführt werden, erwartungsgemäß ist aber die Offenheit für ein Gespräch höher bei 1:1-Gesprächen
zur Sicherheit: restliche Gruppe ist immer in der Nähe (~10 Menschen). Außerdem am Schichtbeginn kleine Bezugsgruppen bilden (2-3 Personen), die sich gegenseitig auf dem Schirm haben.
orts- und zeitabhängig:
am Steintor Fokus auf organisierenden Gesprächen (also nach einer passenden Gruppe suchen) – am Hauptbahnhof/Marktplatz v.a. Einladung zu SOFA
Großteil der Angesprochenen wird auf dem Arbeitsweg sein. Bei genügend Zeit und Offenheit kompletten Gesprächsleitfaden durchlaufen, sonst mindestens zu SOFA einladen und Flyer geben.
Und immer nett und freundlich verabschieden!
An den Haltestellen eher kürzere Gespräche erwartbar
Sprachen: Du kannst verschiedene Sprachen sprechen? Super! Dann kannst du ggf. beim Übersetzen helfen.
Zusätzliches Material
Checkliste: Wie unterstütze ich
SOFA-Flyer + Programm (Übersetzung über QR-Code)
Flyer für spezifische Berufsgruppen
Ladet euch die google-translate App runter, mit der lässt sich gut übersetzen!
Zu jeder Organizing-Schicht ist immer mindestens eine Person am Infostand vor Ort, die bei Schwierigkeiten oder Nachfragen kontaktiert werden kann. Wenn Menschen in psychischem Ausnahmezustand sind, sind außerdem Menschen am Infostand, die supporten können. Wenn du dich unwohl fühlst, komm auf Menschen am Infostand oder auf das Awareness-Team mit den lila Westen zu.
Gesprächsleitfaden
Gesprächskompass
Haltung
Empathie als Grundhaltung!
Neugierig, offen und interessiert an der Perspektive der anderen Person
Wir organisieren uns gemeinsam bei SOFA, nicht “ich organisiere dich”
Nicht belehren oder einer Gruppe zuweisen, sondern zusammen mit der anderen Person herauszufinden, wo und wie sie sich am besten einbringen kann
Faustregel: 70% zuhören und Fragen stellen, 30 % selbst reden
Du kannst selber entscheiden, ob du die Menschen duzen oder siezen möchstest.
andere Perspektiven verstehen zu wollen, heißt nicht, dass man von seiner eigenen Meinung abrücken muss!
Tipps zur Gesprächsführung
hilfreiche Anker beim Struggle mit dem Einstieg, Verlorenheit im Gespräch oder Sackgasse
persönlicher Anker: Warum ist mir das Thema wichtig, warum bin ich hier? Aus welcher Perspektive spreche ich?
SOFA als Anker: immer wieder zurückkommen “… und genau deshalb sind wir hier.”
kann auch eine Frage sein: “Was bräuchten Sie, um sich mehr gehört und in Ihren Problemen unterstützt zu fühlen?”
hilfreich wenn man zu sehr im Monolog gelandet ist: “Wie sehen Sie das?”, “Was denken Sie dazu?”
Nach dem Gespräch
Kurzer Check-In: Wie geht es mir? Brauche ich eine kurze Pause? Tief durchatmen/Schütteln?
Gesprächsleitfaden
Gesprächsablauf
A) Gespräch beginnen
| nach der Sprache fragen und reagieren | “Hallo, welche Sprache sprechen Sie am liebsten?” “Ah, kurdisch spreche ich leider nicht, is english okay?” “Okay, wir können google translate versuchen.” “Ich spreche leider kein französisch, aber die Person!” |
| Vorstellung (optional) | “Hallo, ich bin xy von SOFA.” |
Thema finden / gerne hiermit anfangen
| Empfehlung: Auf SOFA hinweisen | “Wissen Sie, was da passiert?” “Waren Sie schon bei SOFA?” “Haben Sie schon von SOFA gehört?” |
| Am Steintor: kurze Erklärung der Situation | “Das da hinten ist SOFA. Wir haben mit über 30 verschiedenen Gruppen und Vereinen zusammen diesen solidarischen Ort geschaffen und wollen hier drei Tage lang mit Menschen ins Gespräch kommen. Wir finden, es kann nicht so weiter gehen, dass Politik über unsere Köpfe hinweg gemacht wird. Deshalb müssen wir uns zusammentun, um für unsere Interessen einzustehen. Das hier soll der erste Schritt sein. Magst du dabei sein?” |
| Optional: Wahl ansprechen | “Wie geht es Ihnen jetzt nach der Wahl?” “Beschäftigt Sie das Wahlergebnis?” |
| Alternativ: Nach Gefühlen fragen | “Wie geht es Ihnen, wenn Sie erzählen möchten?” |
| Alternativ: Politische Lage ansprechen | “Wie geht es Ihnen mit der politischen Lage?” |
Wenn möglich, grobe Einschätzung treffen, ob Gesprächspartner*in bereits linksorientiert ist (weiter bei B) oder eher rechtsorientiert (weiter bei C)
B) Gesprächspartner*in ist eher linksorientiert
In die Zukunft schauen
| nach Hoffnung fragen | “Wie schauen Sie in die Zukunft?” “Was brauchen wir, um den Rechtsruck umzudrehen?” (=> Gegenbewegung) |
| Hoffnung stärken durch Gemeinschaft aufzeigen | “Ich hab heute schon mit vielen Menschen gesprochen und viele sind grade verzweifelt angesichts der politischen Lage und wollen, dass es anders wird.” |
| Hoffnung stärken durch eigene Perspektive + Selbstwirksamkeit/Handeln | “Ich bin auch oft wütend und fühle mich ohnmächtig, wenn ich Nachrichten sehe oder heute die Wahlergebnisse. Gegen diese Ohnmacht hilft mir am meisten, ganz konkret etwas zu tun.” |
Gruppenwirksamkeit aktivieren
| Klassenbewusstsein | “Ich hab das Gefühl, dass alles immer teurer wird - Wer kann sich das noch leisten?” => Miete, Einkauf, Mobilität |
| Teil einer sozialen Bewegung werden | “Hier sind gerade viele Menschen, die wollen, dass es anders wird als es gerade ist. Viele sind in politischen Gruppen und Vereinen organisiert. Was wir alle wollen, ist, dass es uns allen besser geht.” |
Organisierung
| nach sozialer Eingebundenheit fragen | “Hast du Freunde hier in Halle?” / “Kennst du deine Nachbarn?” / “Kennst du Menschen, die du nach Hilfe fragen kannst wenn du ein Problem hast oder es dir schlecht geht?” “Gibt es Orte, an denen du gerne bist?” |
| Organisierungspotenzial erfragen | “Bist du in einer festen Gruppe wie einem Verein, einer Gewerkschaft oder einer politischen Gruppe?” “Warst du schon mal in einer solchen Gruppe? Bei welcher? Warum hast du dort aufgehört?” |
Gruppenmatching
| Transparenz schaffen | “Wir suchen heute auch deswegen das Gespräch mit Leuten, weil wir glauben, dass es wichtig ist, sich politisch zusammenzutun, weil man dann gemeinsam stark wird. Heute sind ganz viele Gruppen hier. Und wir könnten zusammen überlegen, welche Gruppe gut zu dir passt. Hast du Lust dazu?” |
| Themenschwerpunkt finden | "Gibt es ein Thema, bei dem du dir schon länger denkst: da müsste sich echt was tun?" |
| Hürden erfragen | “Gibt es etwas was es für dich einfacher machen würde dich einzubringen? Was hält dich davon ab aktiv zu werden?” |
| direkte Anbindung an Gruppen | “Von Gruppe XY sind sogar jetzt Leute hier. Hast du Lust gemeinsam kurz rüberzugehen, dann könnt ihr euch direkt austauschen?” |
Wenn Gruppe identifiziert: konkreter nächster Schritt
| Kontakt austauschen | “Das wäre die Kontaktadresse von der Gruppe. Schreibst du selber da hin? Sollen wir jetzt schnell zusammen was formulieren?” |
| Plenumstermin | “Die Gruppe hat angegeben, dass sie am ... um ... ein Treffen macht, bei dem alle Interessierten dazukommen. Magst du da hinzugehen?” |
| zu SISSIs SOFA vermitteln als Auffangnetz für alle | “Ab Oktober gibt es in der südlichen Innenstadt einen Raum, zu dem du auch kommen kannst, wenn du noch nicht so ganz weißt, welche Gruppe zu dir passen könnte. Da sind nette Menschen, mit denen du überlegen kannst.” “Er hat jeden Dienstag von 10-20 Uhr auf und alle dürfen kommen. Das ist in der Merseburger Straße 110.” |
C) Gesprächspartner*in ist rechtsorientiert
Du musst hier nicht mehr weitersprechen, wenn du nicht möchtest! Das Ziel der Gespräche ist vor allem, Menschen einzubinden, die offen für linke Ideen sind. Aber manche sind vielleicht linker eingestellt, als sie über sich wissen ;)
Bei gefestigt rechtsextremem Weltbild
| Widersprechen und Gespräch abbrechen! | “Das sehe ich anders.” “Das ist eine menschenfeindliche Aussage, der ich widersprechen muss.” “Wir haben anscheinend keine gemeinsamen Werte, auf deren Grundlage wir diskutieren können.” “Ich gehe jetzt.” |
Bei Bekenntnis zur AfD / rechten Floskeln
| nicht direkt verurteilen, sondern offene Fragen stellen | “Warum glaubst du, dass dein Leben mit der AfD besser wird?” |
| Sorgen identifizieren | “Warum bist du unzufrieden mit der Politik der letzten Jahre?” “Was wünschst du dir von der Politik für dein Leben?” |
| Sorgen ernst nehmen, Frust bestätigen | “Ich verstehe, dass du unzufrieden bist. Ich bin auch wütend, weil die Politik sich nicht um uns Menschen kümmert.” “Ich würde auch gern in einer Gesellschaft leben, in der ich mich sicher fühle.” |
Rechte Narrative enttarnen
| AfD schadet den meisten ihrer Wähler | “Die AfD tut so, als sei sie die Partei der einfachen Leute, aber in Wirklichkeit macht sie Politik für Reiche und wirtschaftet sich selbst in die eigene Tasche.” “Die AfD will alternative Meinungen verbieten und uns vorschreiben, wie wir zu leben haben.” |
| Rechte Feindbilder umleiten auf Schere zwischen Arm und Reich | “Nur, weil sie das Geld für Bügergeldempfänger und Asylbewerber kürzen wollen, heißt es nicht, dass du dann mehr bekommst.” |
Linke Alternativen aufzeigen
| Ursprung der Probleme ist strukturell | “Viele Menschen haben diese Probleme. Aber Schuld daran sind oft nicht sie selbst, sondern die ungerechten Zustände. Zum Beispiel profitiert die Lebensmittelindustrie von der Inflation, indem sie die Preise zusätzlich erhöht. Die großen Konzerne ziehen uns das Geld aus der Tasche.” |
| Kapitalismuskritik? | “Das Wirtschaftssystem ist nicht darauf ausgelegt, die Grundbedürfnisse aller Menschen zu erfüllen.” “Wie die Politik das Geld verteilt, hängt von wirtschaftlichen Interessen ab. Und das sind oft nicht die Interessen von uns Bürgern.” |
| Auf gemeinsame Werte einigen | “Findest du nicht auch, dass alle Menschen ein gutes Leben verdient haben?” “Wie stellst du dir das Zusammenleben in einer perfekten Welt vor?” |
| Positives Menschenbild | “Ich glaube, dass alle Menschen eigentlich friedlich und sozial zusammenleben wollen. Aber wenn es uns schlecht geht, ist das schwer.” |
Weiterer Verlauf
| wenn Person empfänglich für linke Ideen: zu B) wechseln |
| wenn Person wenig empfänglich, aber offen für weitere Gespräche: einladen, zu SOFA zu kommen und sich weiter auszutauschen (außer wenn sie menschenfeindliche Aussagen treffen) |
| wenn kein Gespräch möglich: abbrechen |